In Japan gehen die Uhren anders

In Japan gehen die Uhren anders


Love, Hokusai


Inzwischen sind wir da. Die Züge haben hier sehr wohl Verspätung. Zumindest bei Taifunen.


Taifun Nummer 25 der Saison ist jetzt vorbei gezogen. Außer heftigem Regen und verspäteten Zügen haben wir in Tokyo selbst nicht viel gemerkt.
Eigentlich müsste es „Eastern Circus“ heißen, aber eine eingeführte Marke (est. 2014) ändert man nicht einfach so. Und wenn wir weiter nach Ostern gehen, sind wir irgendwann wieder im Westen. Meine kompressionsbestrumpften Beine sind auf jeden Fall schon im Norden (Helsinki)


Am 18.7. war Mandela Day, der 100. Geburtstag von Nelson Mandela wurde begangen. Zur Feier des Tages haben wir uns diese Tasche bei Woolworth gekauft.
In Südafrika herrscht seit Jahren eine große Dürre und daher wird das Wassersparen sehr ernst genommen. Schon am Flughafen fordern Schilder zum bewussten Verbrauch auf, auch in den von uns gebuchten Unterkünften wird darauf hingewiesen. So sind z. B. die meisten Wasserhähne in öffentlichen Toiletten (sehr zur Freude eines bestimmten Zehnjährigen) gesperrt oder es kommt nur ein Sprühstoß heraus. Das Wasser ist auf 50 Liter pro Tag und Bewohner limitiert, danach wird es allerdings nicht abgestellt, sondern richtig teuer. Das wirkt. Führt allerdings auch zu absurden Wassersparvorschlägen: Einweggeschirr benutzen, braucht man nicht abzuwaschen … Oder: Kleine Plastikflaschen mit Handsanitizern verwenden …

Sah vor einigen Tagen noch anders aus


Ich muss meinen kulturpessimistischen Eintrag von neulich revidieren: hier in Washington und auch in Oregon gibt es durchaus Buchhandlungen und in Seattle habe ich sogar einen Laden mit der Zeit, dem Spiegel und der erst eine Woche alten Süddeutschen gesehen. Also sind es nur die hedonistischen Kalifornier, die nicht lesen.
Nach drei Tagen campen ohne Wasser gönnen wir uns heute den Luxus der Timberline Lodge am Fuße des Mount Hood in Oregon. Erbaut 1937 mit Hilfe von Roosevelts WPA-Programm sieht es immer noch aus wie damals mit viel Kunsthandwerk wie geschnitztem Holz, gewebten Kissen und Schmiedearbeiten, die aufwändig erhalten werden. Trotz des tollen Zimmers mit echten Federbetten, viel Holz, Aussicht auf den Mount Hood, handgemachter Seife, Weckern, die immerhin analog aussehen usw., das meilenweit entfernt ist von den austauschbaren Plastikmotelzimmern, in denen wir sonst waren, werde ich kein Auge zumachen können, weil wir in Zimmer 211 wohnen. Das ist ganz in der Nähe von Zimmer 237, das es gar nicht gibt, in dem aber in „Shining“, das hier gedreht wurde, diese Frau in der Badewanne, ihr wisst schon, wohnte.
Heute erzähle ich, wie ich fast verhaftet wurde: ein Polizist hielt uns auf einer Landstraße an. Also, er fuhr ca. eine halbe Meile hinter uns mit Blaulicht, bis ich es bemerkte und am Straßenrand anhielt. „Hände ans Lenkrad, kein Griff ins Handschuhfach, überhaupt keine falschen Bewegungen“, kannte ich ja aus vielen Filmen. Es stellte sich nach Überprüfung der Papiere ( erst mal finden in dem ganzen Chaos) heraus, dass er schon eine ganze Weile hinter uns herfuhr ( man konnte ihn nicht als Polizeiwagen erkennen und ich hatte mich schon gewundert, warum der so drängelt und nicht überholt). Ich sei viel zu schnell gefahren sei, 20 Meilen mehr als erlaubt und hätte auch noch geeiert … Das sei in Oregon ein großes Verbrechen namens “ reckless driving“ und könne mit 20 Tagen Gefängnis bestraft werden. Doch da wir aus Deutschland seien, wolle er es bei einer Verwarnung belassen. Puh! Und das mir, der langsamsten Fahrerin Deutschlands, die von Radfahrern mit Lichthupe an den Straßenrand gedrängt wird.
Eines der schönsten Urlaubsbeschäftigungen ist es ja immer, in Buchhandlungen rumzulungern. Das kann man hier so gut wie vergessen. Im Städten mit 20.000 Einwohnern oder auch mehr gibt es nichts dergleichen. Fragt man Passanten danach, wird man allen Ernstes in die Flohmarktabteilung der öffentlichen Bibliotheken ( die hier immerhin flächendeckend und gut frequentiert existieren) geschickt. In einigen Shoppingmalls gibt es große Barnes & Nobles. Die Bösen sind natürlich Amazon und die fehlende Preisbindung, aber auch das kulturelle Desinteresse vieler Amerikaner. Wir behelfen uns mit den Abteilungen in den Visitorcenters der Nationalparks und den Museenshops sowie paradoxerweise mit den Läden der „Freunde der Bibliotheken“ in den public libraries.
Ähnlich verhält es sich mit Zeitungen und Zeitschriften. Während es in jedem Supermarkt oder jeder Tankstelle in Deutschland Quadratmeter Printmedien gibt, sucht man hier schon verzweifelt nach einer Tageszeitung. Auch hier hilft nur B & N.
Inzwischen haben wir hier schon mehr Tiere gesehen, als im Tierpark Gettorf so leben. Höhepunkt bisher waren die Begegnungen mit Braunbären, und das gleich an zwei Tagen in verschiedenen Nationalparks. Vor Jahren hatte ich mal im Yosemite Park ein Auto gesehen, dass von einem Bären wegen des Geruchs eines leeren Pizzakartons auf dem Rücksitz zerstört worden war und nachts einen Mann gehört und fand das schon aufregend genug. Trotz der ganzen Warnschilder und Vorsichtsmaßnahmen auf den Campingplätzen, die gesetzlich vorschreiben, alle Lebensmittel und andere stark riechenden Produkte wie Kosmetika und – ja – Kindersitze (die vermutlich am stärksten mit Lebensmittelresten kontaminierten Gegenstände auf der Welt) in spezielle bärensichere Container zu packen, damit die Tiere sich nicht an nicht artgerechtes Essen gewöhnen und sich einfach ’ne Packung Butterkekse statt ’nem Fisch zu holen, hatte ich nicht mit einer Begegnung gerechnet.
Doch bei einer kleinem Wanderung Sequoia Park zum General Sherman Tree, dem ältesten lebenden Baum der Welt (2500 Jahre) spazierte eine Bärenmutter mit ihren beiden Babys seelenruhig an den vielen Menschen auf diesem Weg vorbei und verschwand im Wald. Super, Erlebnis fürs Leben, dachten wir. Aber am nächsten Tag kam es noch besser:
Da hatten wir im King’s Canyon Nationalpark ein Treffen mit einem Bären ganz für uns alleine. Als wir morgens zu einer Badestelle am King’s River gingen und wir im Freibad unsere Handtücher ausbreiteten, sahen wir im Fluss einen Bären baden und mit einem vorbeifließenden Baumstamm spielen. Scheiße, ich hatte noch Kekse im Rucksack! Aber er hatte null Interesse und verdrückte sich nach seiner Morgentoilette.
Wir waren total beeindruckt und hoffen, dass Kolja, wenn er in 20 Jahren noch irgendwelche Erinnerungen an diese Reise hat, es dieses Erlebnis ist.
Im letzten Moment haben wir es in Kernville doch noch geschafft, dass selbst heraus zu finden. Dominique ist durch den ganzen Ort gelaufen, um eine Kneipe zu finden, wo wir das Spiel sehen können. Der Italiener zeigt es nicht, die beiden Sportsbars sind erst ab 21 Jahren zugänglich … Kurz vor Anpfiff gelingt es ihm, ein auch noch sehr angenehmes Microbrew-Restaurant zu finden, dass das Finalspiel zeigt. Amerikaner können zumindest zwei Dinge nicht: Bierbrauen und Fußball gucken. Während der süße Bierbrauer Säcke mit Aufschriften wie Dextrose, Hydrogencarbonat, Glutamat oder so ähnlich in einem Kessel wirft und umrührt, schauen die anderen Besucher das Spiel sehr nebenbei: Klatschen für jeden, freuen sich stöhnend über jeden Zusammenstoß und jedes Foul, klatschen, wenn der Ball über die Torlatte fliegt (es ist kein Football) und gehen tatsächlich nach der regulären Spielzeit! Nach Schlusspfiff wird umgeschaltet zu einem Baseballspiel, so dass wir die jubelnden Spieler, die Pokalübergabe und Angies Umarmungen gar nicht sehen können. Kein kollektiver Siegesrausch im Lokal, wir gehen raus ins gleißende Sonnenlicht und in unser heißes Auto, suchen einem Campingplatz und baden in einem Fluss. Nachts ist es superruhig. Wenn ich an die WM 1990 denke, bin ich froh, dass ich hier bin.
So heißt der „Planes 2“-Film im Untertitel, der am 18. Juli hier in den Kinos anläuft. Den müssen wir natürlich sehen, zumal sich jede Feuerwehr hier in der wirklich waldbranderprobten Gegend rühmt, dass ein Walt Disney-Team bei ihnen vorbei geschaut hat, um zu recherchieren. Und jede Lokalzeitschrift entdeckt in jedem Charakter den örtlichen Waldbrandspezialisten. Auf dem Weg vom Death Valley zum Lake Isabella in der Eastern Sierra sehen wir schon viele Hubschrauber mit einem Schlauch unten dran, die sich als Feuerlöschhubschrauber herausstellen und genau vor unserem Zeltplatz am See Wasser aus dem schon recht ausgetrockneten Gewässer zu saugen, um einem Brand in den Bergen zu löschen. Am nächsten Tag picknicken wir am Kern-River, neben uns erholen sich Jungs der Freiwilligen Feuerwehr von ihren nächtlichen Einsätzen, die ganze staubtrockene, waldreiche Holzhausgegend dankt den Firemen auf Bannern und Schildern. Absurd: Obwohl das Wasser schon reglementiert ist und auf dem Campingplatz nicht mehr geduscht werden darf, ist das Abbrennen der obligatorischen Campinglagerfeuer erlaubt.
Unser erster Nationalpark. Leider ohne passende U2-Musik. Da wir noch in andere wollen, haben wir uns gleich eine Jahreskarte für alle gekauft. Die Hitze ist der Hammer, trotzdem halten wir immer mal wieder für kurze Fotostops oder Spaziergänge. Die Landschaft wechselt, auch wenn es erstmal wirkt wie eine unwirtliche Wüste. Kakteenhaine, unterschiedliche Gesteinsstrukturen, Sandwüsten, Yuccapalmen, Joshuatrees, stachelige Büsche, riesige Steine, die aussehen, als ob sie von jemanden aufeinander gestapelt wurden, hohe Berge, von denen man auf den Andreas-Graben sehen kann. Zu Koljas Enttäuschung sehen wir nur irgendwelche Wüstenmäuse namens Kängururatten und ein paar Eidechsen. Bei einem immerhin etwas längeren Wanderung zu einer Wasserstelle (natürlich ausgetrocknet) verlaufe ich mich prompt mit Kolja so 500 m vom Parkplatz entfernt mit nur noch einem Schluck Wasser, ohne Mützen und Karte. Glücklicherweise rettete uns – natürlich – eine holländische Familie und schließlich Kolja, der, während ich schon hysterisch wurde, ganz cool den Fußspuren anderer Wanderer nachging. Am Parkplatz trafen wir dann auch Dominique wieder, der nur einen kurzen Schlenker anders gemacht hatte als wir und jetzt leider ohne Wasser und Autoschlüssel genauso aufgeschmissen war und schon auf der Suche nach uns war. Gefährliche Wüste.