Wir wollten auf dem Weg nach Oregon eine kurze Mittagspause machen und biegen von der Interstate 5 nach Dunsmuir ab. Wir parken gegenüber dem Haus des Sheriffs. Vor dessen Tür ist einen Maschinen-Gewehr aus der Bürgerkriegszeit ausgestellt. Daneben steht einen Brunnen mit der Inschrift „Dunsmuir Home of the best water in the world“. Wir stehen noch so unentschlossen vor der örtlichen „Chamber of Commerce“ als plötzlich ein Riese vor uns steht: „From where are you, How Long do you stay?“ tönt es aus seinem Wikinger-Schnauzbart. Während wir noch auf seine Jagdszenen-Tatoos starren und überlegen, ob wir eine Antwort geben sollten, antwortet der Riese für uns: „You must stay until tomorrow“. Wir plazieren ein „We are from Germany“ und er fährt fort: „Germany! I am Kind of German Too. My Name is Keisler! By the way I am the Mayor of Dunsmuir.“ Der lokale Olaf Scholz sieht überhaupt nicht wie Olaf Scholz aus aber bevor ich meine Zweifel formulieren könnte, drückt er mir schon seine Visitenkarte in der Hand auf der steht „Big Dave Keisler Mayor of Duinsmuir“. „This is Dunsmuir, you have to stay until tomorrow“ fährt er fort und schleppt uns in die Chamber of Commerce. Aus einem Büro holt er einen Flyer raus auf dem eine Forelle abgebildet ist. Im Hintergrund versucht der Angestellte den Flyer an dem er noch arbeitete, zurückzubekommen. Big Dave fährt mit seinem Zeigefinger über den Flyer: Es werden jeden Donnerstag und das 12 Wochen lang 700 Fische „around Dunsmuir“ freigelassen. „5 to 6 pounder“. Unter den Fischen seien ein Paar mit einer 1000$ Preismarke versehen. Wir können uns unten an der Hauptstraße (er meint damit Kolja und mich) eine Angler-Ausrüstung ausleihen, Anja könne sich den Blumengarten anschauen: „we have even a waterfall“.
Ich bin froh, dass ich nicht zu Wort gekommen bin, um Big Dave zu sagen dass ich kein Angler bin, und das in unserem Dreiergespann eher Anja seine Ansprechpartnerin sei. Ich weiß nicht ob Dunsmuirs Wasser das Beste der Welt ist aber für kalifornische Maßstäbe ist es jedenfalls das beste was wir getrunken haben und der Bürgermeister ist ein Charakter, den man getroffen haben muss. Das kleine Städtchen verlassen wir, ohne am Preisangeln teilgenommen zu haben.
P.s.: Big Dave hat ein 7 Pounder in der Kühltruhe, Kostet aber zu viel um es an einer Taffel anbringen zu lassen, wer es sehen will soll doch mal Big Dave fragen ob er die truhe für ihn aufmacht.
Monat: Juli 2014
Buchhandlungen?
Eines der schönsten Urlaubsbeschäftigungen ist es ja immer, in Buchhandlungen rumzulungern. Das kann man hier so gut wie vergessen. Im Städten mit 20.000 Einwohnern oder auch mehr gibt es nichts dergleichen. Fragt man Passanten danach, wird man allen Ernstes in die Flohmarktabteilung der öffentlichen Bibliotheken ( die hier immerhin flächendeckend und gut frequentiert existieren) geschickt. In einigen Shoppingmalls gibt es große Barnes & Nobles. Die Bösen sind natürlich Amazon und die fehlende Preisbindung, aber auch das kulturelle Desinteresse vieler Amerikaner. Wir behelfen uns mit den Abteilungen in den Visitorcenters der Nationalparks und den Museenshops sowie paradoxerweise mit den Läden der „Freunde der Bibliotheken“ in den public libraries.
Ähnlich verhält es sich mit Zeitungen und Zeitschriften. Während es in jedem Supermarkt oder jeder Tankstelle in Deutschland Quadratmeter Printmedien gibt, sucht man hier schon verzweifelt nach einer Tageszeitung. Auch hier hilft nur B & N.
Hier ist der Bär los
Inzwischen haben wir hier schon mehr Tiere gesehen, als im Tierpark Gettorf so leben. Höhepunkt bisher waren die Begegnungen mit Braunbären, und das gleich an zwei Tagen in verschiedenen Nationalparks. Vor Jahren hatte ich mal im Yosemite Park ein Auto gesehen, dass von einem Bären wegen des Geruchs eines leeren Pizzakartons auf dem Rücksitz zerstört worden war und nachts einen Mann gehört und fand das schon aufregend genug. Trotz der ganzen Warnschilder und Vorsichtsmaßnahmen auf den Campingplätzen, die gesetzlich vorschreiben, alle Lebensmittel und andere stark riechenden Produkte wie Kosmetika und – ja – Kindersitze (die vermutlich am stärksten mit Lebensmittelresten kontaminierten Gegenstände auf der Welt) in spezielle bärensichere Container zu packen, damit die Tiere sich nicht an nicht artgerechtes Essen gewöhnen und sich einfach ’ne Packung Butterkekse statt ’nem Fisch zu holen, hatte ich nicht mit einer Begegnung gerechnet.
Doch bei einer kleinem Wanderung Sequoia Park zum General Sherman Tree, dem ältesten lebenden Baum der Welt (2500 Jahre) spazierte eine Bärenmutter mit ihren beiden Babys seelenruhig an den vielen Menschen auf diesem Weg vorbei und verschwand im Wald. Super, Erlebnis fürs Leben, dachten wir. Aber am nächsten Tag kam es noch besser:
Da hatten wir im King’s Canyon Nationalpark ein Treffen mit einem Bären ganz für uns alleine. Als wir morgens zu einer Badestelle am King’s River gingen und wir im Freibad unsere Handtücher ausbreiteten, sahen wir im Fluss einen Bären baden und mit einem vorbeifließenden Baumstamm spielen. Scheiße, ich hatte noch Kekse im Rucksack! Aber er hatte null Interesse und verdrückte sich nach seiner Morgentoilette.
Wir waren total beeindruckt und hoffen, dass Kolja, wenn er in 20 Jahren noch irgendwelche Erinnerungen an diese Reise hat, es dieses Erlebnis ist.
Bergfest
Oregons Gewässer
Mount Lassen
In Arbeit
Lucky Luke am Lagerfeuer
Ghost Rider
Dominator
In Fresno gesehen.
Hat jemand ’ne Ahnung, wer Weltmeister geworden ist?
Im letzten Moment haben wir es in Kernville doch noch geschafft, dass selbst heraus zu finden. Dominique ist durch den ganzen Ort gelaufen, um eine Kneipe zu finden, wo wir das Spiel sehen können. Der Italiener zeigt es nicht, die beiden Sportsbars sind erst ab 21 Jahren zugänglich … Kurz vor Anpfiff gelingt es ihm, ein auch noch sehr angenehmes Microbrew-Restaurant zu finden, dass das Finalspiel zeigt. Amerikaner können zumindest zwei Dinge nicht: Bierbrauen und Fußball gucken. Während der süße Bierbrauer Säcke mit Aufschriften wie Dextrose, Hydrogencarbonat, Glutamat oder so ähnlich in einem Kessel wirft und umrührt, schauen die anderen Besucher das Spiel sehr nebenbei: Klatschen für jeden, freuen sich stöhnend über jeden Zusammenstoß und jedes Foul, klatschen, wenn der Ball über die Torlatte fliegt (es ist kein Football) und gehen tatsächlich nach der regulären Spielzeit! Nach Schlusspfiff wird umgeschaltet zu einem Baseballspiel, so dass wir die jubelnden Spieler, die Pokalübergabe und Angies Umarmungen gar nicht sehen können. Kein kollektiver Siegesrausch im Lokal, wir gehen raus ins gleißende Sonnenlicht und in unser heißes Auto, suchen einem Campingplatz und baden in einem Fluss. Nachts ist es superruhig. Wenn ich an die WM 1990 denke, bin ich froh, dass ich hier bin.
Fire and rescue
So heißt der „Planes 2“-Film im Untertitel, der am 18. Juli hier in den Kinos anläuft. Den müssen wir natürlich sehen, zumal sich jede Feuerwehr hier in der wirklich waldbranderprobten Gegend rühmt, dass ein Walt Disney-Team bei ihnen vorbei geschaut hat, um zu recherchieren. Und jede Lokalzeitschrift entdeckt in jedem Charakter den örtlichen Waldbrandspezialisten. Auf dem Weg vom Death Valley zum Lake Isabella in der Eastern Sierra sehen wir schon viele Hubschrauber mit einem Schlauch unten dran, die sich als Feuerlöschhubschrauber herausstellen und genau vor unserem Zeltplatz am See Wasser aus dem schon recht ausgetrockneten Gewässer zu saugen, um einem Brand in den Bergen zu löschen. Am nächsten Tag picknicken wir am Kern-River, neben uns erholen sich Jungs der Freiwilligen Feuerwehr von ihren nächtlichen Einsätzen, die ganze staubtrockene, waldreiche Holzhausgegend dankt den Firemen auf Bannern und Schildern. Absurd: Obwohl das Wasser schon reglementiert ist und auf dem Campingplatz nicht mehr geduscht werden darf, ist das Abbrennen der obligatorischen Campinglagerfeuer erlaubt.
Death Valley
Wir überqueren diese unwirkliche Landschaft bei 120 Grad Fahrenheit. Es ist außerdem der geographische Tiefpunkt unserer Reise. Die Ranger schütteln den Kopf als zwei Italiener ihren Plan in der Wüste zu hiken ihnen unterbreiten. Die Ranger nehmen ihre Daten auf und lassen sie ziehen.
Habe ich schon erwähnt: es ist verdammt heiß.
Global warming? What global warming?
Als Organisation (das Heartland Institute) das die globale Erwärmung in Frage stellt oder Phillip Morris unterstützt, um zu beweisen, dass Zigaretten die Gesundheit in keinster Weise beeinträchtigen würde ich auch eine Klima-Konferenz im Mandalay Bay Casino, das unter anderem ein Hai-Riff beherbergt, in der Wüste Nevadas organisieren. Ist doch logisch.
Red Rock Canyon
Circus Circus
3 Tage Las Vegas und man fängt an, an der Wirklichkeit zu zweifeln. Als wir erschöpft von der Stadt auf unserem Bett Chips-essend sitzen und die Gewitterblitze über der Mojave Wüste bewundern, schöpft Anja Verdacht, dass die gar nicht echt und von den Hotels orchestrierte Projektionen seien. Kolja meint, es spricht dafür, da es trotz Gewitters keinen Regen gibt. Als wir in einer Lobby die New-York Knicks Basketballer treffen fragt Kolja ob sie echt sind und als wir im Venetian erschöpft von lauter Fake-Gassen und -Kanälen nach dem Ausgang suchen lassen wir uns von einem Himmel Trompe-l’oeil düpieren und merken erst nach ein paar Sekunden, dass wir den Ausgang nicht erreicht haben. Das Éclair au chocolat unterm Eiffelturm schmeckt vorzüglich, zum Glück sind die Stühle aus Plastik sonst würde ich wanken.
Und als ob es nicht reichen würde, gewinnt Deutschland 7-1 gegen Brasilien. Während des Spieles klopft es an der Zimmertür: ein Mann sucht seinen Vater er ist nicht mein Sohn. Nach dem Spiel klopft es wieder, es ist unser chilenischer Zimmernachbar, der zum Sieg gratuliert und dankt im Namen des chilenischen Volkes für die stellvertretende Revanche auf die Seleção . Ich glaube, wir werden noch an einer der Sauerstoff-Bars die es hier gibt, noch Sauerstoff tanken müssen.

Das schwierigste Eis
Joshua Tree
Unser erster Nationalpark. Leider ohne passende U2-Musik. Da wir noch in andere wollen, haben wir uns gleich eine Jahreskarte für alle gekauft. Die Hitze ist der Hammer, trotzdem halten wir immer mal wieder für kurze Fotostops oder Spaziergänge. Die Landschaft wechselt, auch wenn es erstmal wirkt wie eine unwirtliche Wüste. Kakteenhaine, unterschiedliche Gesteinsstrukturen, Sandwüsten, Yuccapalmen, Joshuatrees, stachelige Büsche, riesige Steine, die aussehen, als ob sie von jemanden aufeinander gestapelt wurden, hohe Berge, von denen man auf den Andreas-Graben sehen kann. Zu Koljas Enttäuschung sehen wir nur irgendwelche Wüstenmäuse namens Kängururatten und ein paar Eidechsen. Bei einem immerhin etwas längeren Wanderung zu einer Wasserstelle (natürlich ausgetrocknet) verlaufe ich mich prompt mit Kolja so 500 m vom Parkplatz entfernt mit nur noch einem Schluck Wasser, ohne Mützen und Karte. Glücklicherweise rettete uns – natürlich – eine holländische Familie und schließlich Kolja, der, während ich schon hysterisch wurde, ganz cool den Fußspuren anderer Wanderer nachging. Am Parkplatz trafen wir dann auch Dominique wieder, der nur einen kurzen Schlenker anders gemacht hatte als wir und jetzt leider ohne Wasser und Autoschlüssel genauso aufgeschmissen war und schon auf der Suche nach uns war. Gefährliche Wüste.
Trader’s Joe
Viele kennen diese Marke sicher als Label, unter dem Aldi Nord Erdnüsse, Donuts und alles andere, was entfernt an Amerika erinnert, verkauft. Hier sind es ganze Läden, die so heißen und die seit einigen Jahren tatsächlich der Albrecht-Familie gehören. Aber vom deutschen Aldi-Konzept sind sie vordergründig zumindest weit entfernt, abgesehen von den günstigen Preisen: Es gibt vor allem organic, wholefood und andere politisch korrekte Produkte sowie Delikatessen in total hübschen Verpackungen, so dass ich viele Sachen nur kaufen möchte, weil sie so schön verpackt sind (das HEMA-Prinzip). Und dazu noch gesund (das Alnatura-Prinzip). Darüber hinaus stehen wie überall im Serviceland Amerika viele nette Mitarbeiter zur Verfügung, die WerbeSchilder sind handgeschrieben, die Waren werden in gemütlich wirkenden Holzregalen präsentiert, einiges auch aus Kisten, die aber auch gestylt wirken und es gibt zusätzliche Gimmicks wie Kinderbetreuung oder Charityaktionen.



















