The Deer Hunter

imageVon Clear Lake nach San-Francisco sollte es eigentlich ziemlich einfach sein. Nur die Highway 29 auf der wir angeblich waren, wird immer schmaler und die Anzahl an Autos verringert sich. Eigentlich sind wir schon seit fünfzehn Minuten alleine unterwegs. „Road narrowing next 20 miles“ steht auf einem Warnschild, dann das nächste „Slides“. Der Fahrer meint es sei alles ok, es gehe immer noch Richtung Süden, klammert sich ans Lenkrad und fährt eine Kurve nach der anderen in einer immer unwirklicher wirkenden Landschaft. Die Navigatorin erzählt über ähnliche Erfahrungen als Kind als die Eltern sich in der Schleswig-Holsteinische Wüste verirrten und die dabei erlebten Todesängste. Dies untergräbt die Zuversicht des Fahrers und lässt unseren Passagier in Panik ausbrechen. War da bei der letzten Kurve ein Pick-up und vier mit Gewehren bewaffneten grimmigen Gestalten? Nächstes Warnschild „Road impassable during high water“ wir sind definitiv nicht auf einer Autobahn. Anja meint, man solle nach dem Weg fragen. Der Fahrer entscheidet sich dagegen bewaffnete Menschen nach dem Weg zu fragen (zu viele Filme gesehen). Ein Paar Kurven später stehen am Straßenrand vier weisse Busse, Anja meint „FBI“ (auch zu viele Filme gesehen). Letzendlich fragen wir doch nach dem Weg. Der bärtige Tarnanzugträger lacht, als wir sagen, dass wir nach San-Francisco wollen und meint, wir seien schon auf dem richtigen Weg. Wir fragen noch, was er jagen würde. „Deer“ antwortet er. Es stellt sich heraus, dass der Jäger anscheinend nicht wusste, wo er war, wir totzdem auf dem richtigen Weg waren. In den Nachrichten erfuhren wir später, dass an dem Tag davor die Jagd eröffnet wurde und dort, wo wir waren (nördlich vom Lake Beryessa, um genau zu sein) ein siebzigjähriger Jäger von seinem Sohn angeschossen wurde.

Buchhandlungen!

Wo bleiben die BücherIch muss meinen kulturpessimistischen Eintrag von neulich revidieren: hier in Washington und auch in Oregon gibt es durchaus Buchhandlungen und in Seattle habe ich sogar einen Laden mit der Zeit, dem Spiegel und der erst eine Woche alten Süddeutschen gesehen. Also sind es nur die hedonistischen Kalifornier, die nicht lesen.

Redrum, redrum

imageNach drei Tagen campen ohne Wasser gönnen wir uns heute den Luxus der Timberline Lodge am Fuße des Mount Hood in Oregon. Erbaut 1937 mit Hilfe von Roosevelts WPA-Programm sieht es immer noch aus wie damals mit viel Kunsthandwerk wie geschnitztem Holz, gewebten Kissen und Schmiedearbeiten, die aufwändig erhalten werden. Trotz des tollen Zimmers mit echten Federbetten, viel Holz, Aussicht auf den Mount Hood, handgemachter Seife, Weckern, die immerhin analog aussehen usw., das meilenweit entfernt ist von den austauschbaren Plastikmotelzimmern, in denen wir sonst waren, werde ich kein Auge zumachen können, weil wir in Zimmer 211 wohnen. Das ist ganz in der Nähe von Zimmer 237, das es gar nicht gibt, in dem aber in „Shining“, das hier gedreht wurde, diese Frau in der Badewanne, ihr wisst schon, wohnte.

Reckless driving

Heute erzähle ich, wie ich fast verhaftet wurde: ein Polizist hielt uns auf einer Landstraße an. Also, er fuhr ca. eine halbe Meile hinter uns mit Blaulicht, bis ich es bemerkte und am Straßenrand anhielt. „Hände ans Lenkrad, kein Griff ins Handschuhfach, überhaupt keine falschen Bewegungen“, kannte ich ja aus vielen Filmen. Es stellte sich nach Überprüfung der Papiere ( erst mal finden in dem ganzen Chaos) heraus, dass er schon eine ganze Weile hinter uns herfuhr ( man konnte ihn nicht als Polizeiwagen erkennen und ich hatte mich schon gewundert, warum der so drängelt und nicht überholt). Ich sei viel zu schnell gefahren sei, 20 Meilen mehr als erlaubt und hätte auch noch geeiert … Das sei in Oregon ein großes Verbrechen namens “ reckless driving“ und könne mit 20 Tagen Gefängnis bestraft werden. Doch da wir aus Deutschland seien, wolle er es bei einer Verwarnung belassen. Puh! Und das mir, der langsamsten Fahrerin Deutschlands, die von Radfahrern mit Lichthupe an den Straßenrand gedrängt wird.