Trader’s Joe

Viele kennen diese Marke sicher als Label, unter dem Aldi Nord Erdnüsse, Donuts und alles andere, was entfernt an Amerika erinnert, verkauft. Hier sind es ganze Läden, die so heißen und die seit einigen Jahren tatsächlich der Albrecht-Familie gehören. Aber vom deutschen Aldi-Konzept sind sie vordergründig zumindest weit entfernt, abgesehen von den günstigen Preisen: Es gibt vor allem organic, wholefood und andere politisch korrekte Produkte sowie Delikatessen in total hübschen Verpackungen, so dass ich viele Sachen nur kaufen möchte, weil sie so schön verpackt sind (das HEMA-Prinzip). Und dazu noch gesund (das Alnatura-Prinzip). Darüber hinaus stehen wie überall im Serviceland Amerika viele nette Mitarbeiter zur Verfügung, die WerbeSchilder sind handgeschrieben, die Waren werden in gemütlich wirkenden Holzregalen präsentiert, einiges auch aus Kisten, die aber auch gestylt wirken und es gibt zusätzliche Gimmicks wie Kinderbetreuung oder Charityaktionen.

Zu Fuß nach Mexico

Schön mit dem Auto bis zum Parkplatz an der Grenze fahren, nach Mexico dürfen wir mit unserem Mietwagen ja nicht, dann zu Fuß
‚rüber spazieren und den Mexikanern drüben nach der Schlappe gegen die Niederlande gestern ’ne lange Nase zeigen, dann ein gepflegtes Cerveza in einer Bar trinken und dabei das Spiel Deutschland gegen Algerien sehen, so hatte ich mir dieses Tag vorgestellt. Dier Plan wurde zuerst von Kolja durchkreuzt, der unbedingt sein am Wochenende in einem Thriftstore – wahrend ich auf dem Klo war – erworbenes Mexiko-Trikot anziehen musste. Der Rest des Plans ging dann auch nicht auf, zumindest der Grenzbereich Tijuanas ist voll hässlich, voller bettelnder Junkies und komischer „Apotheken“, die Prozac, Viagra usw. vermutlich spottbillig und rezeptfrei verkaufen. Wir hatten dann schnell keine Lust mehr, weiter zu laufen und ständig angequatscht zu werden und unser kleiner Mexikaner wollte nach einem hygienisch fragwürdigen Eis und Nachos schnellstens nach Hause, was in diesem Urlaub normalerweise Hamburg heißt, diesmal aber U.S.A. bedeutete ….
Also zurück. Wir hatten die kilometerlange Schlange Richtung Amerika zwar schon auf dem Hinweg bemerkt, aber die würde sich doch nach unserem entspannten Tag in Tijuana aufgelöst haben, dachten wir ja vor einer dreiviertel Stunde . . . Oder es würde ja wohl eine ganz kurze Schlange für EU-Bürger geben …Ein Busfahrer koberte uns mit der Aussage, er würde uns in 40 Minuten über die Grenze bringen, während wir in der Fußgängerschlange sicher zwei Stunden brauchen würden. Ja klar, machten wir. Aus unerfindlichen Gründen wurde aber irgendwann die Busschlange geschlossen, der Fahrer verschwand und wir waren in einem kleinen Bus eingesperrt, während die Fußgänger an uns vorbei marschierten. Nach wirklich sehr langer Zeit durften wir aus dem Bus und uns in die Fußgängerschlange einreihen und nach weiteren Stunden waren wir wieder in God’s own country. Inzwischen war der Tag vorbei. Auf dem Weg zurück zum Campingplatz entdecken wir einen tollen und billigen mexikanischen Supermarkt, wo es alles gibt, was wir eigentlich drüben kaufen wollten.

Highway 1 revisited

So, jetzt sind wir ganz unten angekommen auf dem Highway 1, der manchmal auch anders hieß, meistens schön war, manchmal langsam oder langweilig. Superschöne Natur, die Das Stadtkind Kolja ständig fragen ließ, wer das alles gepflanzt und angelegt habe. Worauf wir am Ende tatsächlich bei Gott angelangten.

Kragle

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Leute, die den LEGO-Film gesehen haben, werden es wissen: Kragle ist die gefährlich Waffe, mit denen die Bösen alles auslöschen wollen und entpuppt sich (Achtung Spoiler) am Ende als der Sekundenkleber Krazy Glue, den es hier wirklich überall gibt. Das Zeug ist wirklich gefährlich: Beim Versuch, die versiegelte Spitze mangels Schere abzubeißen, habe ich es geschafft, mir die Zunge an den Gaumen zu kleben. Wusste gar nicht, dass das geht. Hielt glücklicherweise nicht lange.

Purlsoho

„Hi! Can I take a picture of you? I’m a famous blogger from Hamburg, Germany. Oh, there was a famous blogger from Hamburg, who designes fabrics too, a few weeks ago? Yes, she’s a good friend of mine. Yes, I also live in a jealousymaking old house in Volksdorf called a Kaffeemühle and have two sweet dogs ….“ So ähnlich hatte ich mir meinen Dialog mit der Verkäuferin im hippen Stoff- und Wollgeschäft Purlsoho in, ja tatsächlich, Soho vorgestellt, nachdem sie mir schon freundlich zuwinkte, als ich schon 10 Minuten vor Ladenöffnung vor der Tür stand. Nachdem ich aber eine halbe Stunde später wieder kam, war der Laden voll mit deutschen Touristen und die Bedienungen waren schon gestresst und ich verwarf mein Vorhaben. Sehenswert ist der Laden allemal: Wollknäuel für 47,50 $ mit dem Namen des uruguayischen Lamas, das jetzt frieren muss oder ein Typ mit den üblichen Attributen eines Schanzenhipsters am Spinnrad … Das hatte ich zuletzt ca. 1983 bei Müttern meiner Schulfreunde in ihren ausgebauten Flintbeker Dachgeschossen gesehen.

Tauschhandel

Das ist wie früher mit den Indianern: Kolja verteilt ungroßzügig seine doppelten Panini-Bilder an die Kinder der Campingplatznachbarn und wir erhalten dafür Milch, Schokolade, Orangensaft, Feuerholz, Chemikalien, die man ins Feuer wirft, damit es bunt leuchtet, Geigendarbietungen, zentnerschwere Melonen sowie zu Dominiques Freude die ultimativen Feuer- und Barbecuetipps von Texanern. Die müssen’s ja wissen. Don’t mess with Texas.

Big Sur und die Tore des Miroslav Kloses

20140629-232242-84162351.jpgDas entscheidende Spiel der Gruppe H sahen wir in einer Lodge unweit unseres Campingplatzes morgens um 9 Uhr zum Frühstück (das schockt nicht, es fehlt Dunkelheit, Muße und Bier). Um uns herum zunächst nur Amerikaner, die derart patriotisch waren, dass ich mich gezwungen fühlte, zum ersten Mal seit ca. 1974 für Deutschland zu sein. Nachdem im Laufe des Spiels aber immer mehr Landsleute im Deutschland-
Trikot auftauchten (ein kleiner, hüstel, saß neben mir), wurde das immer schwieriger. Naja, nun sind beide Mannschaften weiter und alle waren froh.

Männer

Da wir in den letzten Tagen meist ohne Strom mit leeren Geräten und auch komplett ohne Netz unterwegs waren, kommen jetzt in Stapelverarbeitung noch Nachträge. Also neulich am Flughafen bei der Autovermietung: der eine lässt sich für einen fetten Aufpreis einen Wagen andrehen, der quasi mit Wasser fährt, der andere bekommt einen Nervenzusammenbruch, weil wir nicht den weißen SUV nehmen, der nebenan geparkt ist …

Coney Island Baby

Was ich hier immer im Ohr habe, also in dem einen Ohr (ich empfehle niemandem, mit einer Mittelohrentzündung zu fliegen. Ich empfehle überhaupt niemandem einem Mittelohrentzündung), sind Lou Reed-Songs, die passen so, an jeder Ecke fällt Dir ein anderer ein. Schade, dass er tot ist.
Da es heute so heiß war, sind wir mit der Subway nach Brooklyn an den Strand gefahren, Endstation Coney Island. Vorteil: neben der Abkühlung hat man dort noch einen trashigen und teilweise noch schön altmodischen Vergnügungspark. Super zum Leute gucken.
Dominique und ich waren vor acht Jahren schon mal hier, leider wird die Gegend langsam auch zur Gesichtslosigkeit saniert. Mit drei hässlichen Plüschtieren mehr und einem fetten Sonnenbrand (stick a fork in their ass and turn them over, they’re done) sind wir gegen Abend zurück gefahren.

Kindertag

20140619-165216-60736106.jpgIst ja eigentlich jeder Tag, aber heute ganz besonders. Zuerst gehen wir über die Fifth Avenue in den Central Park und warten darauf, dass der Zoo öffnet. der ist aber eine Enttäuschung, wenn man „Madagascar“ kennt. Ganz schön angelegt, aber kaum Tiere – kein Löwe, keine Giraffe, kein Zebra, kein Nilpferd. Ein paar Affen und Pinguine, die allerdings gar nicht stur lächeln und winken. Dann gibt es noch einen Streichelzoo vermutlich für extreme Stadtkinder mit Plastiktieren, die ihr typisches Geräusch machen, wenn man sie anfasst, Betonmammutbäumen und Schweinen, die eingecremt werden.
Danach war eigentlich wegen der Hitze ein Besuch in einem Freibad in der Upper Est Side geplant, doch das war geschlossen. herbe Enttäuschung nach den langen Fußweg dorthin. Immerhin gibt es da einen gar nicht so schlechten Wasserspielplatz mit entspannten Kindern, die erstaunlich viel dürfen – vermutlich, weil sie zu 90 % von Nannys betreut werden, die ihre Ruhe haben wollen. Grusel: Kolja schenkte mir einen künstlichen Fingernagel, vermutlich von einer dieser Nannys verloren!
Zu guter Letzt schleppten wir uns zu F. A. O. Schwartz, angeblich dem größten Spielzeuggeschäft der Welt. Ich hatte etwas Toys ‚r us-ähnliches erwartet, aber wir waren angenehm überrascht: ein toller, gut sortierter, leicht altmodischer Laden mit äußerst freundlichen Verkäufern, die ihr Geschäft verstehen. Ich hatte sofort das Bedürfnis, mir einen Plüschbären mit Schlafanzug und eine Babypuppe zu kaufen. Und das habe ich sonst nie.
Kolja hat übrigens sein Urlaubsgeld fast auf einen Schlag für – Lego ausgegeben.
Danach zu Tiffany. Nichts gekauft.

Bryant Park

Der Park ist ein gelungenes Beispiel für Stadtplanung mittels Bürgerbeteiligung und natürlich den richtigen Sponsoren. War er vor 20 Jahren noch ein siffiges Stück, in dem sich nur Dealer wohlfühlten, ist er heute eine Oase mitten in der Stadt und glücklicherweise auch gleich um die Ecke unserer Wohnung. Man hat die Parkfläche auf das Straßenniveau gebracht, um den Park nicht von den Passanten zu trennen, sondern den Übergang von Arbeit zur Freizeit, von Bewegung zu Ruhe fließend zu machen. Im Park selbst sorgen viele Tische und Stühle ohne Konsumzwang dafür, es sich dort heimisch zu machen. Es gibt Kurse wie Stricken, Yoga, Pilates, Sprachen usw., einen Bouleplatz und eine winzige Golfanlage und einen Kubb- Platz, einen Brunnen, ein Karussell und jede Menge Veranstaltungen. Alles ist kostenlos und meist von Anwohnern organisiert. Die angrenzende public library hat Bücher und Zeitschriften zur Verfügung gestellt, die man einfach nehmen kann, um sie im Park zu lesen, ebenso kann man Spiele ausleihen und dort gleich spielen. Dirk Kienscherf from SPD Hamburg-Hamm, look at this! Hiermit ist unsere Reise beendet, wir bleiben den Sommer über hier.image

Mach da nichts kaputt, dooh!

Ja, sie sind noch da. Und da ich nichts in der Wohnung machen kann, außer hier wichtig am Laptop zu sitzen, schreibe ich noch mal:

Inzwischen ist es uns mit Hilfe von Interpol gelungen, der betrügerischen italienischen Firma mittels Interpol und einer E-Mail das Handwerk zu legen: Wir haben das Geld für die horrende Bearbeitungsgebühr für unsere Visa Waiver zurückbekommen, allerdings auch für dieses Papier selbst. Ob das jetzt noch gültig ist? Wir müssen ein neues beantragen und fallen den amerikanischen Behörden bestimmt schon durch besondere Doofheit auf.

Aerodynamische Toilette
Aerodynamsiche Toilette.

Apropos:

Wo sind meine Schuhe? (Dachdecker)

Bis zum nächsten Mal (Klempner)

 

Name gesucht

Wahrend hier vier Handwerker unsere Wohnung endgültig demolieren, denke ich immer noch über einen guten Namen für dieses/diesen/diese Blog nach:
Erstmal denke ich darüber nach, ob es der die oder das ist.
Und dann: Der Name muss natürlich obercool sein, leicht zu merken, tausend Klicks pro Minuten provozieren ..
Kolja ist für „Sommer Raclette“, Dominique für irgendwas Japanisches und ich für Area 52, was aber schon an einen österreichischen Flippervereinigung sowie einem Elchbecherhersteller vergeben ist.