Ich muss meinen kulturpessimistischen Eintrag von neulich revidieren: hier in Washington und auch in Oregon gibt es durchaus Buchhandlungen und in Seattle habe ich sogar einen Laden mit der Zeit, dem Spiegel und der erst eine Woche alten Süddeutschen gesehen. Also sind es nur die hedonistischen Kalifornier, die nicht lesen.
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Redrum, redrum
Nach drei Tagen campen ohne Wasser gönnen wir uns heute den Luxus der Timberline Lodge am Fuße des Mount Hood in Oregon. Erbaut 1937 mit Hilfe von Roosevelts WPA-Programm sieht es immer noch aus wie damals mit viel Kunsthandwerk wie geschnitztem Holz, gewebten Kissen und Schmiedearbeiten, die aufwändig erhalten werden. Trotz des tollen Zimmers mit echten Federbetten, viel Holz, Aussicht auf den Mount Hood, handgemachter Seife, Weckern, die immerhin analog aussehen usw., das meilenweit entfernt ist von den austauschbaren Plastikmotelzimmern, in denen wir sonst waren, werde ich kein Auge zumachen können, weil wir in Zimmer 211 wohnen. Das ist ganz in der Nähe von Zimmer 237, das es gar nicht gibt, in dem aber in „Shining“, das hier gedreht wurde, diese Frau in der Badewanne, ihr wisst schon, wohnte.
Reckless driving
Heute erzähle ich, wie ich fast verhaftet wurde: ein Polizist hielt uns auf einer Landstraße an. Also, er fuhr ca. eine halbe Meile hinter uns mit Blaulicht, bis ich es bemerkte und am Straßenrand anhielt. „Hände ans Lenkrad, kein Griff ins Handschuhfach, überhaupt keine falschen Bewegungen“, kannte ich ja aus vielen Filmen. Es stellte sich nach Überprüfung der Papiere ( erst mal finden in dem ganzen Chaos) heraus, dass er schon eine ganze Weile hinter uns herfuhr ( man konnte ihn nicht als Polizeiwagen erkennen und ich hatte mich schon gewundert, warum der so drängelt und nicht überholt). Ich sei viel zu schnell gefahren sei, 20 Meilen mehr als erlaubt und hätte auch noch geeiert … Das sei in Oregon ein großes Verbrechen namens “ reckless driving“ und könne mit 20 Tagen Gefängnis bestraft werden. Doch da wir aus Deutschland seien, wolle er es bei einer Verwarnung belassen. Puh! Und das mir, der langsamsten Fahrerin Deutschlands, die von Radfahrern mit Lichthupe an den Straßenrand gedrängt wird.
In Seattle gesehen
Dunsmuir
Wir wollten auf dem Weg nach Oregon eine kurze Mittagspause machen und biegen von der Interstate 5 nach Dunsmuir ab. Wir parken gegenüber dem Haus des Sheriffs. Vor dessen Tür ist einen Maschinen-Gewehr aus der Bürgerkriegszeit ausgestellt. Daneben steht einen Brunnen mit der Inschrift „Dunsmuir Home of the best water in the world“. Wir stehen noch so unentschlossen vor der örtlichen „Chamber of Commerce“ als plötzlich ein Riese vor uns steht: „From where are you, How Long do you stay?“ tönt es aus seinem Wikinger-Schnauzbart. Während wir noch auf seine Jagdszenen-Tatoos starren und überlegen, ob wir eine Antwort geben sollten, antwortet der Riese für uns: „You must stay until tomorrow“. Wir plazieren ein „We are from Germany“ und er fährt fort: „Germany! I am Kind of German Too. My Name is Keisler! By the way I am the Mayor of Dunsmuir.“ Der lokale Olaf Scholz sieht überhaupt nicht wie Olaf Scholz aus aber bevor ich meine Zweifel formulieren könnte, drückt er mir schon seine Visitenkarte in der Hand auf der steht „Big Dave Keisler Mayor of Duinsmuir“. „This is Dunsmuir, you have to stay until tomorrow“ fährt er fort und schleppt uns in die Chamber of Commerce. Aus einem Büro holt er einen Flyer raus auf dem eine Forelle abgebildet ist. Im Hintergrund versucht der Angestellte den Flyer an dem er noch arbeitete, zurückzubekommen. Big Dave fährt mit seinem Zeigefinger über den Flyer: Es werden jeden Donnerstag und das 12 Wochen lang 700 Fische „around Dunsmuir“ freigelassen. „5 to 6 pounder“. Unter den Fischen seien ein Paar mit einer 1000$ Preismarke versehen. Wir können uns unten an der Hauptstraße (er meint damit Kolja und mich) eine Angler-Ausrüstung ausleihen, Anja könne sich den Blumengarten anschauen: „we have even a waterfall“.
Ich bin froh, dass ich nicht zu Wort gekommen bin, um Big Dave zu sagen dass ich kein Angler bin, und das in unserem Dreiergespann eher Anja seine Ansprechpartnerin sei. Ich weiß nicht ob Dunsmuirs Wasser das Beste der Welt ist aber für kalifornische Maßstäbe ist es jedenfalls das beste was wir getrunken haben und der Bürgermeister ist ein Charakter, den man getroffen haben muss. Das kleine Städtchen verlassen wir, ohne am Preisangeln teilgenommen zu haben.
P.s.: Big Dave hat ein 7 Pounder in der Kühltruhe, Kostet aber zu viel um es an einer Taffel anbringen zu lassen, wer es sehen will soll doch mal Big Dave fragen ob er die truhe für ihn aufmacht.
Buchhandlungen?
Eines der schönsten Urlaubsbeschäftigungen ist es ja immer, in Buchhandlungen rumzulungern. Das kann man hier so gut wie vergessen. Im Städten mit 20.000 Einwohnern oder auch mehr gibt es nichts dergleichen. Fragt man Passanten danach, wird man allen Ernstes in die Flohmarktabteilung der öffentlichen Bibliotheken ( die hier immerhin flächendeckend und gut frequentiert existieren) geschickt. In einigen Shoppingmalls gibt es große Barnes & Nobles. Die Bösen sind natürlich Amazon und die fehlende Preisbindung, aber auch das kulturelle Desinteresse vieler Amerikaner. Wir behelfen uns mit den Abteilungen in den Visitorcenters der Nationalparks und den Museenshops sowie paradoxerweise mit den Läden der „Freunde der Bibliotheken“ in den public libraries.
Ähnlich verhält es sich mit Zeitungen und Zeitschriften. Während es in jedem Supermarkt oder jeder Tankstelle in Deutschland Quadratmeter Printmedien gibt, sucht man hier schon verzweifelt nach einer Tageszeitung. Auch hier hilft nur B & N.
Hier ist der Bär los
Inzwischen haben wir hier schon mehr Tiere gesehen, als im Tierpark Gettorf so leben. Höhepunkt bisher waren die Begegnungen mit Braunbären, und das gleich an zwei Tagen in verschiedenen Nationalparks. Vor Jahren hatte ich mal im Yosemite Park ein Auto gesehen, dass von einem Bären wegen des Geruchs eines leeren Pizzakartons auf dem Rücksitz zerstört worden war und nachts einen Mann gehört und fand das schon aufregend genug. Trotz der ganzen Warnschilder und Vorsichtsmaßnahmen auf den Campingplätzen, die gesetzlich vorschreiben, alle Lebensmittel und andere stark riechenden Produkte wie Kosmetika und – ja – Kindersitze (die vermutlich am stärksten mit Lebensmittelresten kontaminierten Gegenstände auf der Welt) in spezielle bärensichere Container zu packen, damit die Tiere sich nicht an nicht artgerechtes Essen gewöhnen und sich einfach ’ne Packung Butterkekse statt ’nem Fisch zu holen, hatte ich nicht mit einer Begegnung gerechnet.
Doch bei einer kleinem Wanderung Sequoia Park zum General Sherman Tree, dem ältesten lebenden Baum der Welt (2500 Jahre) spazierte eine Bärenmutter mit ihren beiden Babys seelenruhig an den vielen Menschen auf diesem Weg vorbei und verschwand im Wald. Super, Erlebnis fürs Leben, dachten wir. Aber am nächsten Tag kam es noch besser:
Da hatten wir im King’s Canyon Nationalpark ein Treffen mit einem Bären ganz für uns alleine. Als wir morgens zu einer Badestelle am King’s River gingen und wir im Freibad unsere Handtücher ausbreiteten, sahen wir im Fluss einen Bären baden und mit einem vorbeifließenden Baumstamm spielen. Scheiße, ich hatte noch Kekse im Rucksack! Aber er hatte null Interesse und verdrückte sich nach seiner Morgentoilette.
Wir waren total beeindruckt und hoffen, dass Kolja, wenn er in 20 Jahren noch irgendwelche Erinnerungen an diese Reise hat, es dieses Erlebnis ist.
Bergfest
Oregons Gewässer
Mount Lassen
In Arbeit
Lucky Luke am Lagerfeuer
Ghost Rider
Dominator
In Fresno gesehen.
Hat jemand ’ne Ahnung, wer Weltmeister geworden ist?
Im letzten Moment haben wir es in Kernville doch noch geschafft, dass selbst heraus zu finden. Dominique ist durch den ganzen Ort gelaufen, um eine Kneipe zu finden, wo wir das Spiel sehen können. Der Italiener zeigt es nicht, die beiden Sportsbars sind erst ab 21 Jahren zugänglich … Kurz vor Anpfiff gelingt es ihm, ein auch noch sehr angenehmes Microbrew-Restaurant zu finden, dass das Finalspiel zeigt. Amerikaner können zumindest zwei Dinge nicht: Bierbrauen und Fußball gucken. Während der süße Bierbrauer Säcke mit Aufschriften wie Dextrose, Hydrogencarbonat, Glutamat oder so ähnlich in einem Kessel wirft und umrührt, schauen die anderen Besucher das Spiel sehr nebenbei: Klatschen für jeden, freuen sich stöhnend über jeden Zusammenstoß und jedes Foul, klatschen, wenn der Ball über die Torlatte fliegt (es ist kein Football) und gehen tatsächlich nach der regulären Spielzeit! Nach Schlusspfiff wird umgeschaltet zu einem Baseballspiel, so dass wir die jubelnden Spieler, die Pokalübergabe und Angies Umarmungen gar nicht sehen können. Kein kollektiver Siegesrausch im Lokal, wir gehen raus ins gleißende Sonnenlicht und in unser heißes Auto, suchen einem Campingplatz und baden in einem Fluss. Nachts ist es superruhig. Wenn ich an die WM 1990 denke, bin ich froh, dass ich hier bin.
Fire and rescue
So heißt der „Planes 2“-Film im Untertitel, der am 18. Juli hier in den Kinos anläuft. Den müssen wir natürlich sehen, zumal sich jede Feuerwehr hier in der wirklich waldbranderprobten Gegend rühmt, dass ein Walt Disney-Team bei ihnen vorbei geschaut hat, um zu recherchieren. Und jede Lokalzeitschrift entdeckt in jedem Charakter den örtlichen Waldbrandspezialisten. Auf dem Weg vom Death Valley zum Lake Isabella in der Eastern Sierra sehen wir schon viele Hubschrauber mit einem Schlauch unten dran, die sich als Feuerlöschhubschrauber herausstellen und genau vor unserem Zeltplatz am See Wasser aus dem schon recht ausgetrockneten Gewässer zu saugen, um einem Brand in den Bergen zu löschen. Am nächsten Tag picknicken wir am Kern-River, neben uns erholen sich Jungs der Freiwilligen Feuerwehr von ihren nächtlichen Einsätzen, die ganze staubtrockene, waldreiche Holzhausgegend dankt den Firemen auf Bannern und Schildern. Absurd: Obwohl das Wasser schon reglementiert ist und auf dem Campingplatz nicht mehr geduscht werden darf, ist das Abbrennen der obligatorischen Campinglagerfeuer erlaubt.
Death Valley
Wir überqueren diese unwirkliche Landschaft bei 120 Grad Fahrenheit. Es ist außerdem der geographische Tiefpunkt unserer Reise. Die Ranger schütteln den Kopf als zwei Italiener ihren Plan in der Wüste zu hiken ihnen unterbreiten. Die Ranger nehmen ihre Daten auf und lassen sie ziehen.
Habe ich schon erwähnt: es ist verdammt heiß.
Global warming? What global warming?
Als Organisation (das Heartland Institute) das die globale Erwärmung in Frage stellt oder Phillip Morris unterstützt, um zu beweisen, dass Zigaretten die Gesundheit in keinster Weise beeinträchtigen würde ich auch eine Klima-Konferenz im Mandalay Bay Casino, das unter anderem ein Hai-Riff beherbergt, in der Wüste Nevadas organisieren. Ist doch logisch.



















