Circus Circus

Circus Circus3 Tage Las Vegas und man fängt an, an der Wirklichkeit zu zweifeln. Als wir erschöpft von der Stadt auf unserem Bett Chips-essend sitzen und die Gewitterblitze über der Mojave Wüste bewundern, schöpft Anja Verdacht, dass die gar nicht echt und von den Hotels orchestrierte Projektionen seien. Kolja meint, es spricht dafür, da es trotz Gewitters keinen Regen gibt. Als wir  in einer Lobby die New-York Knicks Basketballer treffen fragt Kolja ob sie echt sind und als wir im Venetian erschöpft von lauter Fake-Gassen und -Kanälen nach dem Ausgang suchen lassen wir uns von einem Himmel Trompe-l’oeil düpieren und merken erst nach ein paar Sekunden, dass wir den Ausgang nicht erreicht haben. Das Éclair au chocolat unterm Eiffelturm schmeckt vorzüglich, zum Glück sind die Stühle aus Plastik sonst würde ich wanken.

imageUnd als ob es nicht reichen würde, gewinnt Deutschland 7-1 gegen Brasilien. Während des Spieles klopft es an der Zimmertür: ein Mann sucht seinen Vater er ist nicht mein Sohn. Nach dem Spiel klopft es wieder, es ist unser chilenischer Zimmernachbar, der zum Sieg gratuliert und dankt im Namen des chilenischen Volkes für die stellvertretende Revanche auf die Seleção . Ich glaube, wir werden noch an einer der Sauerstoff-Bars die es hier gibt, noch Sauerstoff tanken müssen.
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Joshua Tree

Unser erster Nationalpark. Leider ohne passende U2-Musik. Da wir noch in andere wollen, haben wir uns gleich eine Jahreskarte für alle gekauft. Die Hitze ist der Hammer, trotzdem halten wir immer mal wieder für kurze Fotostops oder Spaziergänge. Die Landschaft wechselt, auch wenn es erstmal wirkt wie eine unwirtliche Wüste. Kakteenhaine, unterschiedliche Gesteinsstrukturen, Sandwüsten, Yuccapalmen, Joshuatrees, stachelige Büsche, riesige Steine, die aussehen, als ob sie von jemanden aufeinander gestapelt wurden, hohe Berge, von denen man auf den Andreas-Graben sehen kann. Zu Koljas Enttäuschung sehen wir nur irgendwelche Wüstenmäuse namens Kängururatten und ein paar Eidechsen. Bei einem immerhin etwas längeren Wanderung zu einer Wasserstelle (natürlich ausgetrocknet) verlaufe ich mich prompt mit Kolja so 500 m vom Parkplatz entfernt mit nur noch einem Schluck Wasser, ohne Mützen und Karte. Glücklicherweise rettete uns – natürlich – eine holländische Familie und schließlich Kolja, der, während ich schon hysterisch wurde, ganz cool den Fußspuren anderer Wanderer nachging. Am Parkplatz trafen wir dann auch Dominique wieder, der nur einen kurzen Schlenker anders gemacht hatte als wir und jetzt leider ohne Wasser und Autoschlüssel genauso aufgeschmissen war und schon auf der Suche nach uns war. Gefährliche Wüste.

Trader’s Joe

Viele kennen diese Marke sicher als Label, unter dem Aldi Nord Erdnüsse, Donuts und alles andere, was entfernt an Amerika erinnert, verkauft. Hier sind es ganze Läden, die so heißen und die seit einigen Jahren tatsächlich der Albrecht-Familie gehören. Aber vom deutschen Aldi-Konzept sind sie vordergründig zumindest weit entfernt, abgesehen von den günstigen Preisen: Es gibt vor allem organic, wholefood und andere politisch korrekte Produkte sowie Delikatessen in total hübschen Verpackungen, so dass ich viele Sachen nur kaufen möchte, weil sie so schön verpackt sind (das HEMA-Prinzip). Und dazu noch gesund (das Alnatura-Prinzip). Darüber hinaus stehen wie überall im Serviceland Amerika viele nette Mitarbeiter zur Verfügung, die WerbeSchilder sind handgeschrieben, die Waren werden in gemütlich wirkenden Holzregalen präsentiert, einiges auch aus Kisten, die aber auch gestylt wirken und es gibt zusätzliche Gimmicks wie Kinderbetreuung oder Charityaktionen.

110 Fahrenheit

Palm Springs Kühlung
Hier werden die Terrasse und Bürgersteige mit Duschen gekühlt.
Palm Springs vom Mount Jacinto
Palm Springs vom Mount Jacinto

Für Palm Springs gibt es keine norddeutschen Vergleiche mehr, das verhindern schon die Temperaturen, der Motelpool kühlt auch nicht mehr, und als die Temperaturen auf 96 Fahrenheit drohen zu sinken und 0,03 l Regen fallen könnten, wird hier in den Lokalnachrichten vom schlechten Wetter berichtet. Wir schleppen uns von einem kühlen Ort zum nächsten. Die Straßen werden mit Duschen gekühlt und in 3000 Meter Höhe ist es immer noch 70 Grad F warm ( angenehme 21 Grad Celsius). Gestern hat Kolja ein Nervenzusammenbruch erlitten, nachdem Deutschland  Frankreich geschlagen hatte und ich ihm erklären wollte daß er sowohl Deutscher als auch Franzose sei.

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Zwei Herzen eine Seele.

Zu Fuß nach Mexico

Schön mit dem Auto bis zum Parkplatz an der Grenze fahren, nach Mexico dürfen wir mit unserem Mietwagen ja nicht, dann zu Fuß
‚rüber spazieren und den Mexikanern drüben nach der Schlappe gegen die Niederlande gestern ’ne lange Nase zeigen, dann ein gepflegtes Cerveza in einer Bar trinken und dabei das Spiel Deutschland gegen Algerien sehen, so hatte ich mir dieses Tag vorgestellt. Dier Plan wurde zuerst von Kolja durchkreuzt, der unbedingt sein am Wochenende in einem Thriftstore – wahrend ich auf dem Klo war – erworbenes Mexiko-Trikot anziehen musste. Der Rest des Plans ging dann auch nicht auf, zumindest der Grenzbereich Tijuanas ist voll hässlich, voller bettelnder Junkies und komischer „Apotheken“, die Prozac, Viagra usw. vermutlich spottbillig und rezeptfrei verkaufen. Wir hatten dann schnell keine Lust mehr, weiter zu laufen und ständig angequatscht zu werden und unser kleiner Mexikaner wollte nach einem hygienisch fragwürdigen Eis und Nachos schnellstens nach Hause, was in diesem Urlaub normalerweise Hamburg heißt, diesmal aber U.S.A. bedeutete ….
Also zurück. Wir hatten die kilometerlange Schlange Richtung Amerika zwar schon auf dem Hinweg bemerkt, aber die würde sich doch nach unserem entspannten Tag in Tijuana aufgelöst haben, dachten wir ja vor einer dreiviertel Stunde . . . Oder es würde ja wohl eine ganz kurze Schlange für EU-Bürger geben …Ein Busfahrer koberte uns mit der Aussage, er würde uns in 40 Minuten über die Grenze bringen, während wir in der Fußgängerschlange sicher zwei Stunden brauchen würden. Ja klar, machten wir. Aus unerfindlichen Gründen wurde aber irgendwann die Busschlange geschlossen, der Fahrer verschwand und wir waren in einem kleinen Bus eingesperrt, während die Fußgänger an uns vorbei marschierten. Nach wirklich sehr langer Zeit durften wir aus dem Bus und uns in die Fußgängerschlange einreihen und nach weiteren Stunden waren wir wieder in God’s own country. Inzwischen war der Tag vorbei. Auf dem Weg zurück zum Campingplatz entdecken wir einen tollen und billigen mexikanischen Supermarkt, wo es alles gibt, was wir eigentlich drüben kaufen wollten.

San Diego Padres

Cincinatti Reds Vs San Diego Padres
Johnny Cueto von den Cincinnati Reds am Bat

Gestern wollten wir in der Stadt bummeln gehen und kamen am Petco Baseball Stadion vorbei ein Mann schenkte uns gleich eine Karte für das Spiel Padres San Diego gegen Cincinnati Reds. Kolja und ich haben uns dann den Spiel angeschaut…eigentlich einen Teil des Spiels, das anscheinend schon seit zwei Tagen lief. Anja kommt nach einem Abstecher im Gaslight District mit einer verbilligte Karte rein („Do you want to see the game or just shop?“ – im Stadion gibt es nämlich jede Menge Läden und Restaurants) Am Ende gewinnen die Los Padres, die Leute stehen auf und wir haben nicht mal verstanden, dass das Spiel vorbei ist. Kolja fand es ziemlich spannend und fing auch auf Anweisungen des Stadionsprechers an zu tanzen.

San Diego Zoo

Gestern ging es in den Zoo von San Diego. Auf dem Weg dorthin trafen wir in der Trolley (so nennt man hier die Straßenbahn) Captain America mit seinen Kumpeln.

Captain america with friends
Noch glückliche Fans vor dem spiel

Danach versuchten wir den San Diego Zoo zu erreichen, was nicht leicht ist, da der Balboa Park, in dem der Zoo liegt, von 4-spurigen Autobahnen völlig eingekesselt ist.

Fazit von drei blasierten Zoo Besucher aus Hamburg … Ein bischen wie der Zoo in Hannover… Und was wiegt ein Jaguar wenn daneben süße Entenküken schwimmen.
(Anmerkung von Anja, ja, die waren am süßesten, und die Kolibris, die wir auf dem Weg in den Zoo gesehen haben)
Auf dem Rückweg trafen wir im Bus zwei sympathische Belgier, die uns das Ergebnis des Spiels verrieten.

Noch glücklichere belgische fans nach dem Spiel
Noch glücklichere belgische Fans nach dem Spiel

From Dusk Till Dawn

Ausflug nach Tijuana, nachdem das Schicksal Nigerias besiegelt war haben wir uns auf dem Weg nach Mexico gemacht wo wir dann Vielleicht auch noch das Spiel Deutschland gegen Algerien anschauen wollten. Also Highway one bis zur Grenze wo wir das für Mexiko nicht versicherte Auto auf einem der Zahlreichen Parkplätze abstellen.
Wir wimmeln zwei Rickshaw Fahrer ab wir wollen zu Fuß rüber. Wir gehen prompt in die falsche Richtung. „You are going the wrong Way“ erbarmt sich einer der Rikshaw Fahrer uns den Richtungen weg zu zeigen nach fünf Minuten gehen wir durch das eiserne Tor nach Mexiko.

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Highway 1 revisited

So, jetzt sind wir ganz unten angekommen auf dem Highway 1, der manchmal auch anders hieß, meistens schön war, manchmal langsam oder langweilig. Superschöne Natur, die Das Stadtkind Kolja ständig fragen ließ, wer das alles gepflanzt und angelegt habe. Worauf wir am Ende tatsächlich bei Gott angelangten.

Autobahn nach Tijuana (Under The Bridge)

Beim K.O.A. In San Diego bedeutet „economy tent site“, dass man unter der Autobahn nach Tijuana schlafen tut. Anja will ab jetzt unter einer Autobahn wohnen, sie hat super geschlafen und meint das wäre für sie wie ein „weißes Rauschen“. Ich war die ganze Nacht wach. Es kann auch am „Seattles Best“ Level 5 halben Liter Kaffee liegen, den ich bei unserem letzten TankstellenStopp getrunken habe. Das würde aber meine Behauptung das Kaffee keine Wirkung mehr auf mich macht außer Kraft setzen.

Kragle

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Leute, die den LEGO-Film gesehen haben, werden es wissen: Kragle ist die gefährlich Waffe, mit denen die Bösen alles auslöschen wollen und entpuppt sich (Achtung Spoiler) am Ende als der Sekundenkleber Krazy Glue, den es hier wirklich überall gibt. Das Zeug ist wirklich gefährlich: Beim Versuch, die versiegelte Spitze mangels Schere abzubeißen, habe ich es geschafft, mir die Zunge an den Gaumen zu kleben. Wusste gar nicht, dass das geht. Hielt glücklicherweise nicht lange.

Purlsoho

„Hi! Can I take a picture of you? I’m a famous blogger from Hamburg, Germany. Oh, there was a famous blogger from Hamburg, who designes fabrics too, a few weeks ago? Yes, she’s a good friend of mine. Yes, I also live in a jealousymaking old house in Volksdorf called a Kaffeemühle and have two sweet dogs ….“ So ähnlich hatte ich mir meinen Dialog mit der Verkäuferin im hippen Stoff- und Wollgeschäft Purlsoho in, ja tatsächlich, Soho vorgestellt, nachdem sie mir schon freundlich zuwinkte, als ich schon 10 Minuten vor Ladenöffnung vor der Tür stand. Nachdem ich aber eine halbe Stunde später wieder kam, war der Laden voll mit deutschen Touristen und die Bedienungen waren schon gestresst und ich verwarf mein Vorhaben. Sehenswert ist der Laden allemal: Wollknäuel für 47,50 $ mit dem Namen des uruguayischen Lamas, das jetzt frieren muss oder ein Typ mit den üblichen Attributen eines Schanzenhipsters am Spinnrad … Das hatte ich zuletzt ca. 1983 bei Müttern meiner Schulfreunde in ihren ausgebauten Flintbeker Dachgeschossen gesehen.

Tauschhandel

Das ist wie früher mit den Indianern: Kolja verteilt ungroßzügig seine doppelten Panini-Bilder an die Kinder der Campingplatznachbarn und wir erhalten dafür Milch, Schokolade, Orangensaft, Feuerholz, Chemikalien, die man ins Feuer wirft, damit es bunt leuchtet, Geigendarbietungen, zentnerschwere Melonen sowie zu Dominiques Freude die ultimativen Feuer- und Barbecuetipps von Texanern. Die müssen’s ja wissen. Don’t mess with Texas.

Big Sur und die Tore des Miroslav Kloses

20140629-232242-84162351.jpgDas entscheidende Spiel der Gruppe H sahen wir in einer Lodge unweit unseres Campingplatzes morgens um 9 Uhr zum Frühstück (das schockt nicht, es fehlt Dunkelheit, Muße und Bier). Um uns herum zunächst nur Amerikaner, die derart patriotisch waren, dass ich mich gezwungen fühlte, zum ersten Mal seit ca. 1974 für Deutschland zu sein. Nachdem im Laufe des Spiels aber immer mehr Landsleute im Deutschland-
Trikot auftauchten (ein kleiner, hüstel, saß neben mir), wurde das immer schwieriger. Naja, nun sind beide Mannschaften weiter und alle waren froh.

Männer

Da wir in den letzten Tagen meist ohne Strom mit leeren Geräten und auch komplett ohne Netz unterwegs waren, kommen jetzt in Stapelverarbeitung noch Nachträge. Also neulich am Flughafen bei der Autovermietung: der eine lässt sich für einen fetten Aufpreis einen Wagen andrehen, der quasi mit Wasser fährt, der andere bekommt einen Nervenzusammenbruch, weil wir nicht den weißen SUV nehmen, der nebenan geparkt ist …