Südafrika

Unsere Reise führt uns dieses Jahr nach Südafrika. Erste Etappe wird Kapstadt sein von wo wir unsere Reise dann Richtung Südwesten fortsetzen werden. Zwei Tage vor dem Start ist die Aufregung groß, Kameras wurden aufgerüstet und Gepäck liegt verstreut in der Wohnung. Bleiben auch noch vier WM Spiele zu genießen, bevor wir losfliegen. Allons, Allons enfants… Ich freue mich schon auf ein mögliches Frankreich-Belgien.

Wilkommen beim KKK

Krümmler Hof? Krümmel? Da war was? Natürlich das Kern-Kraftwerk-Krümmel! Unser Hotel steht im Schatten des KKK das zwar ausgeschaltet ist dennoch kriegt mann Gänsehaut und der Wikipedia Eintrag zum KKK löst nur Kopfschütteln. Das KKK wurde auf dem Gelände der von Alfred Nobel gegründete Dynamit-Fabrik gebaut.

Hamburg-Geesthacht

Wir Packen unsere Fahrräder und unserer „Carry Freedom“ Anhänger vor den leicht skeptischen Blicken unserer Nachbarn, oder empfinde ich die nur so weil ich an dem Glücken unserer Unternehmung zweifle. In der Zeitungen wird über das Zig-Zag Sommer berichtet Orkane und andere Wetter lagen haben sogar dazu geführt das sämtliche Veranstaltungen in Hamburg abgesagt worden sind unter anderem mußte vorgestern der Dom wegen einer Unwetter Warnung geschlossen bleiben.

10Uhr wir sitzen auf unsere Fahrräder und fahren Richtung Geesthacht die Sonne scheint. Erste Pause machen wir beim Zollenspiecker fährhaus, beim Imbiss gönen wir uns ein Fischbrötchen zwischen Motorradfahrer. Den Deich entlang bis Geesthacht geht es dann gleich weiter. Kühe,Schafe,Storche und gelegentlich Pferde begleiten unsere Fahrt. Wir fahren bis zum Krümmler Hof wo uns von Anja ein Schnitzel versprochen wurde (wir jungs sind so einfach gestrickt). Das Hotel liegt gleich am Fahrradweg wir von Österreicher geführt und bittet im Restaurant allerlei Schmankerln aus der Alpen Republik.

Die Richtung stimmt

Kontrast Program zu unserer Reise nach Amerika. Das Ford Ram2500 haben wir gegen Fahrräder und Anhänger getauscht und wir streifen durch die Norddeutsche Ebene. Unsere erste Idee den Elbfahrradweg von Hamburg aus nach Magdeburg zu befahren haben wir aufgegeben und fahren stattdessen in Richtung  Rügen.

Karl May Festspiele – Western Circus goes nordisch

Ja erstmal das original und jetzt im platten Land, Indianer  und cowboys in der norddeutsche Ebene. Hinter der Kulisse Gipfelt nicht die  Sierra Nevada sondern die Giebel Einfamilienhäuser. Es ist wirklich schwierig das Urlaubsgefühl aufrecht zu halten. Die Kinder finden die wirre Rache Geschichte toll und das Publikum lacht mit, und aus der Stuntman trickkiste wird alles rausgeholt was feuer und Wums hat.

IMG_2673.JPG

The Deer Hunter

imageVon Clear Lake nach San-Francisco sollte es eigentlich ziemlich einfach sein. Nur die Highway 29 auf der wir angeblich waren, wird immer schmaler und die Anzahl an Autos verringert sich. Eigentlich sind wir schon seit fünfzehn Minuten alleine unterwegs. „Road narrowing next 20 miles“ steht auf einem Warnschild, dann das nächste „Slides“. Der Fahrer meint es sei alles ok, es gehe immer noch Richtung Süden, klammert sich ans Lenkrad und fährt eine Kurve nach der anderen in einer immer unwirklicher wirkenden Landschaft. Die Navigatorin erzählt über ähnliche Erfahrungen als Kind als die Eltern sich in der Schleswig-Holsteinische Wüste verirrten und die dabei erlebten Todesängste. Dies untergräbt die Zuversicht des Fahrers und lässt unseren Passagier in Panik ausbrechen. War da bei der letzten Kurve ein Pick-up und vier mit Gewehren bewaffneten grimmigen Gestalten? Nächstes Warnschild „Road impassable during high water“ wir sind definitiv nicht auf einer Autobahn. Anja meint, man solle nach dem Weg fragen. Der Fahrer entscheidet sich dagegen bewaffnete Menschen nach dem Weg zu fragen (zu viele Filme gesehen). Ein Paar Kurven später stehen am Straßenrand vier weisse Busse, Anja meint „FBI“ (auch zu viele Filme gesehen). Letzendlich fragen wir doch nach dem Weg. Der bärtige Tarnanzugträger lacht, als wir sagen, dass wir nach San-Francisco wollen und meint, wir seien schon auf dem richtigen Weg. Wir fragen noch, was er jagen würde. „Deer“ antwortet er. Es stellt sich heraus, dass der Jäger anscheinend nicht wusste, wo er war, wir totzdem auf dem richtigen Weg waren. In den Nachrichten erfuhren wir später, dass an dem Tag davor die Jagd eröffnet wurde und dort, wo wir waren (nördlich vom Lake Beryessa, um genau zu sein) ein siebzigjähriger Jäger von seinem Sohn angeschossen wurde.

Buchhandlungen!

Wo bleiben die BücherIch muss meinen kulturpessimistischen Eintrag von neulich revidieren: hier in Washington und auch in Oregon gibt es durchaus Buchhandlungen und in Seattle habe ich sogar einen Laden mit der Zeit, dem Spiegel und der erst eine Woche alten Süddeutschen gesehen. Also sind es nur die hedonistischen Kalifornier, die nicht lesen.

Redrum, redrum

imageNach drei Tagen campen ohne Wasser gönnen wir uns heute den Luxus der Timberline Lodge am Fuße des Mount Hood in Oregon. Erbaut 1937 mit Hilfe von Roosevelts WPA-Programm sieht es immer noch aus wie damals mit viel Kunsthandwerk wie geschnitztem Holz, gewebten Kissen und Schmiedearbeiten, die aufwändig erhalten werden. Trotz des tollen Zimmers mit echten Federbetten, viel Holz, Aussicht auf den Mount Hood, handgemachter Seife, Weckern, die immerhin analog aussehen usw., das meilenweit entfernt ist von den austauschbaren Plastikmotelzimmern, in denen wir sonst waren, werde ich kein Auge zumachen können, weil wir in Zimmer 211 wohnen. Das ist ganz in der Nähe von Zimmer 237, das es gar nicht gibt, in dem aber in „Shining“, das hier gedreht wurde, diese Frau in der Badewanne, ihr wisst schon, wohnte.

Reckless driving

Heute erzähle ich, wie ich fast verhaftet wurde: ein Polizist hielt uns auf einer Landstraße an. Also, er fuhr ca. eine halbe Meile hinter uns mit Blaulicht, bis ich es bemerkte und am Straßenrand anhielt. „Hände ans Lenkrad, kein Griff ins Handschuhfach, überhaupt keine falschen Bewegungen“, kannte ich ja aus vielen Filmen. Es stellte sich nach Überprüfung der Papiere ( erst mal finden in dem ganzen Chaos) heraus, dass er schon eine ganze Weile hinter uns herfuhr ( man konnte ihn nicht als Polizeiwagen erkennen und ich hatte mich schon gewundert, warum der so drängelt und nicht überholt). Ich sei viel zu schnell gefahren sei, 20 Meilen mehr als erlaubt und hätte auch noch geeiert … Das sei in Oregon ein großes Verbrechen namens “ reckless driving“ und könne mit 20 Tagen Gefängnis bestraft werden. Doch da wir aus Deutschland seien, wolle er es bei einer Verwarnung belassen. Puh! Und das mir, der langsamsten Fahrerin Deutschlands, die von Radfahrern mit Lichthupe an den Straßenrand gedrängt wird.

Dunsmuir

imageWir wollten auf dem Weg nach Oregon eine kurze Mittagspause machen und biegen von der Interstate 5 nach Dunsmuir ab. Wir parken gegenüber dem Haus des Sheriffs. Vor dessen Tür ist einen Maschinen-Gewehr aus der Bürgerkriegszeit ausgestellt. Daneben steht einen Brunnen mit der Inschrift „Dunsmuir Home of the best water in the world“. Wir stehen noch so unentschlossen vor der örtlichen „Chamber of Commerce“ als plötzlich ein Riese vor uns steht: „From where are you, How Long do you stay?“ tönt es aus seinem Wikinger-Schnauzbart. Während wir noch auf seine Jagdszenen-Tatoos starren und überlegen, ob wir eine Antwort geben sollten, antwortet der Riese für uns: „You must stay until tomorrow“. Wir plazieren ein „We are from Germany“ und er fährt fort: „Germany! I am Kind of German Too. My Name is Keisler! By the way I am the Mayor of Dunsmuir.“ Der lokale Olaf Scholz sieht überhaupt nicht wie Olaf Scholz aus aber bevor ich meine Zweifel formulieren könnte, drückt er mir schon seine Visitenkarte in der Hand auf der steht „Big Dave Keisler Mayor of Duinsmuir“. „This is Dunsmuir, you have to stay until tomorrow“ fährt er fort und schleppt uns in die Chamber of Commerce. Aus einem Büro holt er einen Flyer raus auf dem eine Forelle abgebildet ist. Im Hintergrund versucht der Angestellte den Flyer an dem er noch arbeitete, zurückzubekommen. Big Dave fährt mit seinem Zeigefinger über den Flyer: Es werden jeden Donnerstag und das 12 Wochen lang 700 Fische „around Dunsmuir“ freigelassen. „5 to 6 pounder“. Unter den Fischen seien ein Paar mit einer 1000$ Preismarke versehen. Wir können uns unten an der Hauptstraße (er meint damit Kolja und mich) eine Angler-Ausrüstung ausleihen, Anja könne sich den Blumengarten anschauen: „we have even a waterfall“.
Ich bin froh, dass ich nicht zu Wort gekommen bin, um Big Dave zu sagen dass ich kein Angler bin, und das in unserem Dreiergespann eher Anja seine Ansprechpartnerin sei. Ich weiß nicht ob Dunsmuirs Wasser das Beste der Welt ist aber für kalifornische Maßstäbe ist es jedenfalls das beste was wir getrunken haben und der Bürgermeister ist ein Charakter, den man getroffen haben muss. Das kleine Städtchen verlassen wir, ohne am Preisangeln teilgenommen zu haben.
P.s.: Big Dave hat ein 7 Pounder in der Kühltruhe, Kostet aber zu viel um es an einer Taffel anbringen zu lassen, wer es sehen will soll doch mal Big Dave fragen ob er die truhe für ihn aufmacht.

Buchhandlungen?

Wo bleiben die BücherEines der schönsten Urlaubsbeschäftigungen ist es ja immer, in Buchhandlungen rumzulungern. Das kann man hier so gut wie vergessen. Im Städten mit 20.000 Einwohnern oder auch mehr gibt es nichts dergleichen. Fragt man Passanten danach, wird man allen Ernstes in die Flohmarktabteilung der öffentlichen Bibliotheken ( die hier immerhin flächendeckend und gut frequentiert existieren) geschickt. In einigen Shoppingmalls gibt es große Barnes & Nobles. Die Bösen sind natürlich Amazon und die fehlende Preisbindung, aber auch das kulturelle Desinteresse vieler Amerikaner. Wir behelfen uns mit den Abteilungen in den Visitorcenters der Nationalparks und den Museenshops sowie paradoxerweise mit den Läden der „Freunde der Bibliotheken“ in den public libraries.

Ähnlich verhält es sich mit Zeitungen und Zeitschriften. Während es in jedem Supermarkt oder jeder Tankstelle in Deutschland Quadratmeter Printmedien gibt, sucht man hier schon verzweifelt nach einer Tageszeitung. Auch hier hilft nur B & N.

Hier ist der Bär los

Inzwischen haben wir hier schon mehr Tiere gesehen, als im Tierpark Gettorf so leben. Höhepunkt bisher waren die Begegnungen mit Braunbären, und das gleich an zwei Tagen in verschiedenen Nationalparks. Vor Jahren hatte ich mal im Yosemite Park ein Auto gesehen, dass von einem Bären wegen des Geruchs eines leeren Pizzakartons auf dem Rücksitz zerstört worden war und nachts einen Mann gehört und fand das schon aufregend genug. Trotz der ganzen Warnschilder und Vorsichtsmaßnahmen auf den Campingplätzen, die gesetzlich vorschreiben, alle Lebensmittel und andere stark riechenden Produkte wie Kosmetika und – ja – Kindersitze (die vermutlich am stärksten mit Lebensmittelresten kontaminierten Gegenstände auf der Welt) in spezielle bärensichere Container zu packen, damit die Tiere sich nicht an nicht artgerechtes Essen gewöhnen und sich einfach ’ne Packung Butterkekse statt ’nem Fisch zu holen, hatte ich nicht mit einer Begegnung gerechnet.
Doch bei einer kleinem Wanderung Sequoia Park zum General Sherman Tree, dem ältesten lebenden Baum der Welt (2500 Jahre) spazierte eine Bärenmutter mit ihren beiden Babys seelenruhig an den vielen Menschen auf diesem Weg vorbei und verschwand im Wald. Super, Erlebnis fürs Leben, dachten wir. Aber am nächsten Tag kam es noch besser:
Da hatten wir im King’s Canyon Nationalpark ein Treffen mit einem Bären ganz für uns alleine. Als wir morgens zu einer Badestelle am King’s River gingen und wir im Freibad unsere Handtücher ausbreiteten, sahen wir im Fluss einen Bären baden und mit einem vorbeifließenden Baumstamm spielen. Scheiße, ich hatte noch Kekse im Rucksack! Aber er hatte null Interesse und verdrückte sich nach seiner Morgentoilette.
Wir waren total beeindruckt und hoffen, dass Kolja, wenn er in 20 Jahren noch irgendwelche Erinnerungen an diese Reise hat, es dieses Erlebnis ist.

20140724-091414-33254177.jpg